Buzzword Start-up

Anmerkung: Ich habe überlegt, statt diesem vorbereiteten Beitrag kurzfristig etwas über die schlimme Tragödie von gestern Mittag in Graz zu schreiben. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich schreiben könnte. Mir fällt nichts ein, was irgendwie… sinnvoll, pietätvoll, dem Geschehnis entsprechend wäre. Roman hat einen Beitrag darüber geschrieben, in dem er ein passendes Gedicht aus seiner Jugendzeit veröffentlicht.

Ich war vergangenen Dienstag bei Zukunft selbst gemacht, der Jahresveranstaltung des Science Park Graz. Es war (abgesehen von den seeeehr langen Grußworten – nämlich knapp eine Stunde lang *gähn*) eine interessante Veranstaltung mit einer interessant besetzten Podiumsdiskussion. Die Diskutanten waren Jane Davies von der International Association of Science Parks (IASP), Christoph Hechenblaikner von CrossCloud, Alexander Rapatz von Venionaire Capital Wien-New York und Thomas Bluth von tiramizoo München.

Viele der Inhalte der Diskussion waren mich nicht neu, weil ich mich dank innolab sehr viel mit dem Thema Gründung und Start-ups auseinander setze. Einen Punkt vermisse ich in all dem Hype um die Start-ups (die, wie von der Veranstaltung betitelt, „Lieblinge der Nation?“): Was ist ein Start-up eigentlich wirklich? Wie wird es heute, im Jahr 2015, definiert? Worüber, verflucht noch eins, reden wir eigentlich?

Jung, männlich, Macbook. So sieht es aus, wenn man auf Pixabay nach "Start-up" sucht.

Jung, männlich, Macbook. So sieht es aus, wenn man auf Pixabay nach „Start-up“ sucht.

Definitionen, Definition, Definitionen

Der Streit um die Definition des Buzzwords „Start-up“ ist nicht neu. Schon 2012 wurde darüber im deutschsprachigen Raum diskutiert, 2010 im englischsprachigen Raum. Und wo sind wir heute, 3 Jahre bzw. 5 Jahre danach?

Ich habe mich auf die Suche im Web gemacht. Und Twitter befragt. Und die Kolleginnen und Kollegen beim innolab. Was ist für eigentlich ein Start-up?

Wikipedia sagt:
„Startup-Unternehmen (oder kurz Startup bzw. Start-up) ist ein wirtschaftsgeschichtlich verhältnismäßig neuer Anglizismus zur Bezeichnung eines jungen Unternehmens, das durch zwei Besonderheiten gekennzeichnet wird: Es hat eine innovative Geschäftsidee und es wird mit dem Ziel gegründet, schnell zu wachsen. Oft haben die Gründer und Investoren die Absicht, das Unternehmen nach wenigen Jahren auf dem freien Markt anzubieten, entweder einem etablierten Großunternehmen durch Beteiligung oder Übernahme oder vielen Aktionären durch einen Börsengang.“

Das Gabler Wirtschaftslexikon beispielsweise sagt: Start-up-Unternehmen sind …
„junge, noch nicht etablierte Unternehmen, die zur Verwirklichung einer innovativen Geschäftsidee (häufig in den Bereichen Electronic Business, Kommunikationstechnologie oder Life Sciences) mit geringem Startkapital gegründet werden und i.d.R. sehr früh zur Ausweitung ihrer Geschäfte und Stärkung ihrer Kapitalbasis entweder auf den Erhalt von Venture-Capital bzw. Seed Capital (evtl. auch durch Business Angels) oder auf einen Börsengang (IPO) angewiesen sind.“

Die deutsche Gründerszene definiert ein Start-up zuerst mal als „kürzlich gegründetes Unternehmen“, schreibt dem Start-up aber zusätzlich einen hohen „Grad an Innovation und Wachstumspotenzial“ sowie ein „skalierbares Geschäftsmodell“ zu, um das Start-up vom „Bäcker an der Ecke“ zu unterscheiden.

Interessant finde ich auch die Definition, die Forbes anhand von Statesment eine Definition von Start-ups sucht und damit das Feld recht weit aufmacht. Auch, wenn der Artikel aus dem Jahr 2013 ist, lohnt es sich, den Mindset der Start-ups kennen zu lernen.

Um die SFG-Start-up-Förderung zu bekommen, muss man folgende Kriterien erfüllen:

  • Die Gründung des Unternehmens darf zum Zeitpunkt der Antragstellung maximal 5 Jahre zurück liegen.
  • Der Jahresumsatz muss unter € 50 Mio., die Bilanzsumme unter € 43 Mio. und die MitarbeiterInnenanzahl unter 250 liegen. Die Beteiligung durch ein Großunternehmen darf 25 % nicht übersteigen. Des Weiteren muss die KMU Definition entsprechend der Empfehlung der Kommission vom 6. Mai 2003 eingehalten werden.
  • Der Geschäftszweck muss für das Unternehmen und die Gesellschafter neu sein.

Fazit

Ein Start-up ist ein junges, noch nicht etabliertes Unternehmen mit einer neuartigen Geschäftsidee, großem Wachstumspotential und mehr oder weniger dringendem Bedarf nach Fremdfinanzierung. Das ist der gemeinsame Nenner, den ich rausdestilliere.

Und dem stimme ich so weit zu. Was ich bewusst auslassen möchte, was meiner Meinung nach nicht unbedingt zu einem Start-up gehört, ist der technologische Aspekt. Dafür möchte ich die Aspekte „Kundennutzen“ und „Kundenbedürfnis“ hinzufügen. Ich bin überzeugt, dass auch Handwerker oder Gewerbetreibende, die nicht aus der IKT-Ecke kommen, in diese Start-up-Definition fallen können. Für eine Bäckerin oder einen Frisör steht Innovation ebenso offen. Vielleicht ist es keine Produktinnovation, sondern eine Marketinginnovation, eine Anwendungsinnovation, eine Geschäftsmodellinnovation (siehe auch meinen Blogpost im innolab-Blog zum Thema „Was ist eigentlich Innovation?„). Vielleicht ist es etwas Kleines. Aber auch etwas Kleines kann Wachstumspotential haben, kann Fremdfinanzierung nötig machen. Sagt man dann Start-up dazu? Oder „nur“ Gründung? Oder „nur“ Jungunternehmen?

Im Endeffekt geht’s doch darum, ein Unternehmen aufzubauen, hinter dem man stehen kann, das erfolgreich ist und Kunden zufrieden macht. Ob das jetzt eine App ist, Bäckereiprodukte, ein neues Fitnessgerät, eine neue Frisördienstleistungen, ist egal. Wenn’s gut läuft, werden Arbeitsplätze geschaffen.

Aber: Sprache ist mächtig. Wenn es so weiter geht, will jeder nur Start-up sein. Oder anders gesagt: Wer nicht als „Start-up“ an den Start gehen kann, gründet so vielleicht gar nicht. Weil womöglich nur mehr das hippe Start-up gefördert wird.

Lasst uns eine gemeinsame, klare Positionierung dieses Begriffs kommunizieren. Und weiterhin jedes Jungunternehmen würdigen, egal, ob von einem Akademiker, einem Lehrling, einer FH-Absolventin oder einer Handwerkerin gegründet.