Drei Dinge, die Vegetarier-/Veganer-Kritiker gerne vergessen

Aus aktuellem Anlass: Veganer und Vegetarier haben oft das Vergnügen, von Kritikern der fleischlosen Ernährung zu diskutieren. Diskutieren heißt allerdings oft, dass mit provokativen, angriffigen und manchmal schlichtweg falschen Behauptungen der Veganer/Vegetarier aus der Reserve gelockt werden soll. Denn dann kann man ja super auf die militanten Veganer/Vegetarier schimpfen. Abnormal, angriffslustig und nervig. Wie nett.

Deswegen muss es mal wieder raus: Die drei Dinge, die Vegetarier-/Veganer-Kritiker gerne vergessen und die ich gerne in solchen tollen Situationen vorbringe:

1. Der Mensch ist ein Allesfresser
„Aber die Höhlenmenschen haben doch fast nur Fleisch gegessen – das ist ja natürlich, dass man Fleisch isst.“ Hnnnnnng. Nein.
Die früheste Entwicklungsstufe des Menschen ernährte sich vorwiegend von Pflanzen. Im Laufe der Entwicklung erhöhte sich der Fleischkonsum, was laut Ansicht einiger Forscher der Grund für das große Gehirnwachstum des Menschen war. Dann gab es wieder Zeiten, zu denen kaum Fleisch gegessen wurde (im Mittelalter konnte sich der Durchschnittsmensch einfach kein Fleisch leisten…). Heute gibt es Gegenden, in denen sehr viel Fleisch verzehrt wird – z.B. dort, wo wenig nahrhafte Pflanzen wachsen, beispielsweise in Sibirien und Grönland. Anderswo bleibt Fleisch weiterhin Luxus, beispielsweise für die ländliche Bevölkerung in Teilen Asiens. Dort wird fast ausschließliche pflanzliche Nahrung verzehrt. Der menschliche Organismus kann also sowohl mit als auch ohne tierische Nahrung bestens funktionieren*. Aber das bringt uns auch schon zu Punkt 2:

2. Jeder Körper ist anders
Mittlerweile ist es ja fast schon mein Lieblingssatz der Fleischkonsumenten: „Ich habe einen Freund, der hat wilde Mangelerscheinungen, weil er sich vegan ernährt!“ Uuuuuuh! Fürcht, fürcht! Meine Mutter hat auch mal an Eisenmangel gelitten, obwohl sie Fleisch gegessen hat. Jeder Körper ist anders. Wir sind keine Maschinen. Deswegen wird jeder anders auf vegane/vegetarische Ernährung reagieren. Für manche mag es nicht reichen, nur aus Pflanzenkost Nährstoffe zu holen. Manche vertragen Fleisch weniger gut. Oder Milch. Schon mal von Laktoseintoleranz gehört? Es gibt kein schwarz und weiß. Es gibt viele Schattierungen dazwischen und jeder muss sich das raussuchen, was am besten funktioniert. Schön ist ja, dass sich unser Körper eh meldet, wenn ihm was fehlt. Ansonsten kann man als Veganer beim Arzt des Vertrauens auch in regelmäßigen Abständen testen lassen, ob alles passt (Stichwort Vitamin B12).

3. Es gibt das Recht auf Selbstbestimmung
Dem Allmächtigen sei Dank: Ich darf selbst bestimmen, was ich esse! Und ich habe keinen Bock, das immer wieder zu rechtfertigen. „Nur weil du kein Fleisch isst, werden sich die Schlachthöfe auch nicht auflösen.“ ist das gleichermaßen dämliche Argument wie „Meine Stimme bei der Wahl verändert ja nichts.“ Diese Wurschtigkeit basiert glaube ich auf einem tiefen Gefühl der Machtlosigkeit, das sich ausbreitet, wenn man liest und sieht, was so vor sich geht in der Welt. Aber einfach nur mit der Schulter zu zucken würde bedeuten, dass es einem egal ist. Und es ist mir nicht egal, was zum Teil abgeht in Tierfabriken, Lebendtransporten und Schlachthöfen.

Deswegen meine Bitte an die Stichler und Provokateure, die Schimpfer und Streithanseln: Wenn ich euch nicht missionieren will, bitte lasst mich auch zufrieden. Ich diskutiere gerne unterschiedliche Ansichten, Ideen und Wissen, aber ich bin es leid, mich für etwas rechtfertigen zu müssen, was nur mich was angeht.

Kthnxbai.

* Wer sich näher damit beschäftigen möchte, kann bei diesem Wikipedia-Artikel nachlesen. Das deckt sich mit dem, was ich in der Gesundheit-und-Sport-Ausbildung im Model Ernährung gelernt habe.