Allergene in Gasthäusern – ist die Kennzeichnung politisch überkorrekt?

Anfang Dezember war es, als die Verordnung zur Kennzeichnung der Allergene in Gasthaus-Speisen hohe Wellen schlug. Ich hab damals darüber nachgedacht und auch mit Kolleginnen und Kollegen diskutiert. Daraus entstand dieser Beitrag, der ein bissl spät kommt… Aber besser später als nie.

Ich habe das große Glück, an keinen Allergien oder Unverträglichkeiten zu leiden. Ich könnte also theoretisch alles ungefragt in mich reinstopfen. Tue ich nicht, weil vegan und so. Und von dieser Seite finde ich diese Regelung sehr angenehm, denn: Traurigerweise wissen Kellner in Restaurants nur sehr selten, was in dem Essen drin ist, das ihr Arbeitgeber auf die Speisekarte setzt. Ich frage ja gar nicht mal, ob das Essen für Veganer geeignet ist („was, Sie essen auch keinen Käse?!“) sondern ob Milchprodukte, Eier, Butter etc. dabei sind. Manche Kellner wissen es (Lob an Don Camillo!), aber in der Regel ist die Bedienung überfragt. Bestenfalls gehen sie zum Koch und fragen nach. Schlechtestenfalls kommt ein müdes, unmotiviertes „Wir haben nichts ohne Milch und Eier.“

Wenn man jetzt aber tatsächlich an einer Unverträglichkeit leidet, ist das nicht nur ärgerlich. Es kann gefährlich sein. Ein wunderbares Negativbeispiel hat mir jemand erzählt, die an Zöliakie leidet und wirklich aufpassen muss. Sie fragte in einem Restaurant, ob eh kein Mehl im Gericht sei (ich glaube, es war gebratener Fisch oder ähnliches). „Wir können ihn auch ohne Mehl zubereiten“, so der Kellner. Ob der goldbraunen Kruste, in der der Fisch dann geliefert wurde, fragte sie nochmals nach. „Aber wir haben ihn eh nur ein bissl drin gewendet.“ Mhm. Ruft schon mal die Rettung. Da kommt zur fehlenden Kennzeichnung auch noch Unwissenheit dazu.

Selbst, wenn meine Gesundheit nicht in schrecklicher Gefahr ist: Es will sicher niemand aus einem Restaurant rausgehen und fürchterlich Kopfweh/Bauchweh etc. haben, nur, weil dort keiner sagen konnte, dass gewisse Allergene im Essen sind. Ist das nicht schädlich fürs Geschäft? Wann lernen die Leute denn nur, dass Transparenz keine Bedrohung, sondern eine Chance ist?

Denn eigentlich funktioniert die Kennzeichnung ja problemlos: Im Ginko in Graz sowie im Parks in Graz werden alle Gerichte mit Kürzeln oder Farben gekennzeichnet. V für vegan, GF für glutenfrei, LF für laktosefrei, SF für sojafrei und so weiter – das ist überhaupt nicht disruptiv oder stöhrend und nimmt kaum Platz weg. Mittlerweile hab ich das schon bei mehreren anderen Restaurants in der Stadt gesehen. Und sogar am Bauernmarkt! Da kann ich die Aufregung echt nicht verstehen, dass man mal neue Speisekarten drucken lassen muss. Immerhin sind die meisten Speisekarten ohnehin sehr *hüstel* versifft. Falls das nicht geht, gibt es sicherlich Aufkleber mit Icons, die zeigen, was in welcher Speise drin ist (einmal gegoogelt und schong gefunden).

Wobei: Die meiste Aufregung scheint sich mittlerweile ja gelegt zu haben… Naja, Hauptsache, erstmal jammern.

Für alle jene Restaurants und Lokale, die immer noch genervt sind: Diese Möglichkeit der Verordnung zu entkommen gibt es natürlich auch noch: