Um 1000 EUR* klüger

Ich bin ein sehr vertrauensseliger Mensch. Prinzipiell glaube ich an das Gute im Menschen und damit auch in das Gute in Bankberatern. Ich gehe davon aus, dass er mir, wenn ich klare Anforderungen hinsichtlich Sparen schildere, er mir nach bestem Wissen und Gewissen einen ordentlichen Vorschlag macht. Nun bin ich um 1000 EUR* klüger.

Es war das Jahr 2010, als ich mit einem Abschluss in Journalismus und Unternehmenskommunikation zu meiner Bank ging und dort ein neues Konto, Sparkonto, Bausparer eröffnen wollte. Und so vertraute ich meinem Bankberater – nennen wir ihn Herrn H. – als er meinte, ja, er hätte da was Tolles für mich: Garantie-Sparen. Was für ein Name! Er erklärte uns das Produkt im Groben so: Garantie-Sparen sei eine fondsgebundene Lebensversicherung, deren Vorteile sei, dass nur 4 % Versicherungssteuer zu zahlen sei und man im Ablebensfall gleich mal für die Angehörigen was hätte. Ansonsten gäbe es im Erlebensfall (nach 25 Jahren) ein schönes Taschengeld.

Fonds ließen bei mir dezente Alarmglöckchen läuten, die unser lieber Herr H. gleich abstellte: 80%ige Höchststandgarantie! Also zumindest 80 % des eingezahlten Geldes wäre immer verfügbar, natürlich sind Kursschwankungen nicht vorher zu sehen, aber 80 % wären immer da. Da lockte er, der schnöde Mammon: Vielleicht wäre dies ja ein Sparprodukt, dass ein bissl mehr Zinsen als die mikrigen null Komma Pusteblume am Sparkonto?

Und es heißt ja Garantie-Sparen…

Man muss ja den Kunden nicht alles wissen lassen

So schloss ich das Produkt ab. Herr H. hatte es überzeugend erklärt, die Bedingungen schienen klar und auch mein persönlicher Finanzberater aka Freund hielt das Garantie-Sparen für sinnvoll. Nun, dies sollte sich ändern.

Denn: Die Bedingungen, die wir bekamen, waren nicht die Besonderen Versicherungsbedingungen und damit hatte uns Herr H. so einiges vorenthalten. Dazu fiel der Kurs dieses vermaledeiten Garantie-Sparens ins gefühlt Bodenlose und während ich bei den ersten zwei Wertnachrichten, die einmal pro Jahr ins Haus flatterten, noch mit den Schultern zuckte und auf das Beste hoffte (ich hatte ja die lustige Talwärtsfahrt des Kurses beobachtet), war es dieses Jahr dann doch zu viel.

Sie haben 2500 EUR einbezahlt. Ihr Garantie-Spartopf ist 1500 EUR wert. WTF?

Öh, 80 % und so? Laut meinen Berechnungen waren die 1500 EUR nur ca. 60 %. Zeit, um mal bei der Bank nachzufragen. Herr H. war mittlerweile nicht mehr bei meiner Bank tätig, stattdessen war unser neuer Berater – nennen wir ihn Herrn G. – bereit, meine Fragen zu beantworten.

Nun, dass das Ding was kostet, war mir klar. Ich bin vielleicht kein Experte, aber blöd bin ich auch nicht. Aber dass diese Besonderen Versicherungsbedingungen ganz interessante Klauseln enthielten, hat uns ja keiner gesagt. Und dass dieses Produkt für meine Anforderungen – Sicherheit, Zugriff auf das Geld im Notfall – nicht entspricht, hat der Herr H. wohl auch unter den Tisch fallen lassen. Vielleicht hat er diese Information als nicht wichtig angesehen, denn in meinem Beratungsbogen von damals hatte er „mittlere Risikobereitschaft“ angekreuzt.

Herr G. war übrigens selbst eher ratlos und erst ein Posting auf der Facebook-Seite der Versicherung brachte ein wenig Licht ins Dunkel. Aha, alle Kosten für die Versicherung werden in den ersten 60 Monaten abgebucht? Schön zu wissen, wäre nett, wenn uns das vorher wer gesagt hätte. Muss wohl eine Versicherungssparprodukt-Klumpert-Besonderheit sein.

Aber das Lustige: Nicht mal, wenn ich jetzt das Zeitliche segnen würde, bekämen meine Angehörigen ein nettes Sümmchen.

Versicherung und Bank? How bout no.

Versicherung und Bank? How bout no.

Sie bekämen laut meiner aktuellen Aufstellung – wait for it – 784,14 EUR. Juhu! Damit können’s mir ein Kranzerl ans Grab stellen mit der Aufschrift „sponsored by Ergo + Volksbank“. Hurra! Also Garantie-Sparen hat meiner Meinung nach mit Sparen nichts zu tun – außer, so wie es auch mein aktueller Bankberater formulierte, wenn man mehr Geld als 50 EUR monatlich einzahlt. Danke nochmals an dieser Stell an Herrn H. fürs Vorenthalten dieser Info.

So habe ich also das Garantie-Sparen gekündigt. Erstens zipft es mich an, als Kunde über den Tisch gezogen zu werden. Zweitens sehe ich keinen Vorteil im Garantie-Sparen – schon gar nicht, wenn das mit dem Kurs so weiter geht. Dann lieber ein Ende mit Schrecken.

Fazit: Ich bleib dann mal beim Sparkonto. Da gibt’s zwar wenig Zinsen, aber das Geld ist da und nicht im unergründlichen Nimbus einer Bank-Versicherungs-Allianz verschwunden.

So wie sich die Chose für mich darstellt, vereint Garantie-Sparen auf innovative Art und Weise die Nachteile einer Lebensversicherung mit den Nachteilen eines Anlageprodukts! Neuer Slogan, maybe? Krieg ich dafür meine 1000 EUR* wieder?

* Ob es nur 1000 EUR Verlust sein werden oder mehr, weiß ich nicht. Herr G. konnte es nicht sagen. Die Bedingungen sind hier für mich schwer verständlich. Und rücküberwiesen wurde noch nichts. Hope for the best, prepare for the worst!