Mit Herbsttrompeten weg vom Schwammerl-Mainstream

ein Körbchen voller frischer Herbsttrompeten (und ein paar Eierschwammerl)

ein Körbchen voller frischer Herbsttrompeten (und ein paar Eierschwammerl)

Ich liebe Schwammerl und Pilze. Hab ich immer schon getan und werde es auch sicher immer tun. Ich liebe eigentlich alles (abgesehen von Morcheln) in allen möglichen Formen und Zubereitungsarten. Als Pilzsteak, paniert, gebraten, geröstet, in einer Suppe, eingelegt, im Salat… Dementsprechend ist der Spätsommer für mich die schönste Zeit um in den Wald zu gehen (der Duft!).

Natürlich liebe ich Eierschwammerl und Parasole besonders heftig. Nur leider wird die Ausbeute im Wald bei meiner Oma immer geringer. Es gehen schon zu viele Leute, das Wetter passt auch selten… Ach, das macht mit traurig. Aber was soll man tun? Schwammerl-Pilgern nach Kärnten? Sündhaft teure, aber heimische Schwammerl am Markt kaufen? Günstigere, aber sündhaft weit transportierte Schwammerl aus Irgendwo besorgen? How about no.

Ich mag meine Schwammerl am liebsten selbst erjagt und passe mich dementsprechend an.

etwas vertrocknet, aber trotzdem gut

etwas vertrocknet, aber trotzdem gut

So kam es, dass ich vor ein paar Wochen mit meiner Oma im Wald war und eine riesige Menge schwarz-bräunlicher, trichterförmiger Fungi sich vor uns ausbreitete. Uns waren diese Schwammerl bis her noch nie so aufgefallen (wohl, weil sie gut getarnt und nicht sehr essbar aussehen). Gefrustet von der geringen Ausbeute des Spaziergangs meinten wir noch seufzend: „Ach, wenn man die nur essen könnte“ und gingen unserer Wege. Wieder zuhause durchforsteten wir den Pilzführer und fanden den besagten Schwamm nicht. Wohl nicht essbar, war unser Schluss.

Dann erfuhren wir von meiner Großtante, ihrerseits Hobby-Mykologin, dass dieses Pilzchen, genannt „Herbsttrompete“, „Totentrompete“ oder „Totentrichterling“, ein besonders schmackhaftes sei und trotz den wenig einladenden Namens ein Geheimtipp für Pilz-Feinschmecker (gucksdu Wikipedia). Aber was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht und so probierte erst meine Oma (wenn auch ein wenig widerwillig), die Schwammerl, bevor ich auch davon kostete.

Omnomnom, sag ich nur!

Zwar ist die Farbe natürlich nicht das, was man sofort als omnomnom bezeichnet würde, aber der Geschmack ist tatsächlich super. Sehr pilzig, aromatisch und überhaupt nicht erdig, wie ich mancherorts gelesen habe. Bei unserer ersten Sammlung waren zwei, drei bittere Herbsttrompeten dabei, allerdings waren die auch schon ein wenig älter. Bei der zweiten Runde habe ich einen Teppich frischer, junger Pilze gefunden und in einer Suppe verarbeitet. OMNOMNOM!!!11eins

Wenn ihr also Lust, Herbsttrompeten zu probieren: Auf BuddyMe hab ich derzeit eine Waldwanderung inklusive Herbsttrompetensammlung ausgeschrieben. Falls ihr schon welche habt, hier zwei einfache Verarbeitungsmöglichkeiten:

spaghetti waldsuppe
Herbsttrompeten im Sugo
Die geputzten Herbsttrompeten in wenig Öl anbrutzeln, mit Salz und Pfeffer abschmecken und in ein Sugo deiner Wahl mischen. Ich war an diesem Abend faul und hab einfach eins der köstlichen veganen Hofer-Sugos genommen (in meinem Fall wars Arrabiata). Gibt einen köstlich-herbstlichen Pilzgeschmack zu den Spaghetti!
Waldsuppe
Eine Zwiebel schnibbeln und in Öl anbrutzeln. Drei mehlige Kartoffeln in grobe Stücke schneiden (müssen nicht mal geschält werden) und dazu werfen. Ein wenig anbraten lassen, dann mit 1,5 Liter Wasser oder Gemüsesuppe aufgießen. Ca. 15 Minuten kochen lassen, dann die Herbsttrompeten dazu geben (vorher checken, ob ihr eh keine Nacktschnecken mitkocht) und kurz weich kochen. Suppe pürieren und eventuell mit Sojasahne verfeinern. Je nach Geschmack mit einem Mehlrührerl eindicken. Abschmecken mit Musketnuss, Salz und Pfeffer. Für die Einlage: Die wenigen gefundenen Eierschwammerl putzen, groben schneiden und in etwas Öl kurz anbraten, sodass sie noch knackig sind. Mit ein wenig Salz würzen und in die Suppe streuen. Frischer Schnittlauch gibt noch einen zusätzlichen kleinen Geschmackskick.