12 Tage Andalusien – Teil 2

Nach den ersten 6 Tagen folgt nun die zweite Hälfte meines Reieseberichts. Andalusien, Teil 2, here it goes!

Tag 7: Der verflixte siebte Tag

Nach der wunderbaren Wanderung in die Grüne Schlucht am Tag zuvor war der siebte Tag die Erinnerung daran, dass wir langsam alt werden. Tom hatte sich scheinbar bei Herumhupfen in der Schlucht das Sprunggelenk beleidigt und beim Aufsteigen stechende Schmerzen, ich hatte plötzlich höllische Nackenschmerzen und eine Fieberblase auf der Oberlippe. Das Positive daran: Ich durfte meine Spanisch-Kenntnisse in der Farmarcia ausprobieren. Tja. Das bedeutete dann, dass wir den siebten Tag wieder in der Hacienda verbrachten – größtenteils im Schatten und möglichst bewegungslos. Gut, es gibt Schlimmeres, aber unsere Pläne, den Felsen zu erklimmen oder Sevilla zu erkunden, waren damit erstmals Geschichte.

 

Tag 8: Parapente oder Andalusien von oben

Nach dem verflixten siebten Tag beschlossen wir am 8. – und damit letzten Tag in der Hacienda – uns nicht unterkriegen zu lassen (allen Wehwehchen zum Trotz). Für mich hieß das Sonne und sanfte HWS-Mobilisierung (und Greifvogel-Watching), für Tom hieß das Paragleiten mit einem Tandemflug über Andalusien. Ich durfte als Kamerafrau vom Boden aus begleiten, da ich sowieso nicht wirklich eine Flugfan bin. Für das weitere multimediale Dokumentieren hatte Tom noch seine GoPro auf den Helm geschnallt und der Pilot hatte eine weitere GoPro für „Außenaufnahmen“ dabei. Die Videos sind toll geworden und ich hoffe, Tom schneiden sie bald zusammen *Wink mit dem Zaunpfahl*. Toll zu sehen: Die wunderbare Landschaft, „unser“ Stausee, Zahara de la Sierra und ein paar Geier, die mit den Paragleitschirmen um die Wette schweben.

 

Tag 9: Orcaaaaaa!

Am Samstag hieß es dann Abschied nehmen von der Hacienda, die wir eine Woche lang als Gäste in vollen Zügen genossen hatten. Adieu, köstliches Frühstück und Abendessen, Aussicht und Hitze – jetzt geht’s ab in den Süden nach Gibraltar, Pelayo und Tarifa, wo es zwar auch warm, aber dafür bewaldeter und vor allem viel windiger ist. Am Plan stand als erstes Whale Watching – genauer gesagt die Orca-Tour in Tarifa. Wir hatten uns einen Platz bei der Sttiftung firmm reserviert und fuhren um 13 Uhr los in die Straße von Gibraltar. Hier, wo Atlantik oder Mittelmeer trifft, ist das Wasser besonders nährstoffreich und daher sind viele Wale und Delfine in der Meerenge anzutreffen. Und tatsächlich! Nachdem wir etwa eine halbe Stunde gefahren waren, sehen wir den ersten Orca. Nein, zwei, drei, vier! Ein Männchen, ein Weibchen und zwei junge Orcas schwammen und spielten gemächlich in der Nähe des Bootes. Tiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii! Dann gab’s noch Mondfische zu sehen (mit denen die fiesen Orcas spielen wollten, sehr zum Leidwesen der Mondfische) und zum Abschluss noch ein paar Delfine. Haaach! Unglaublich, diese tollen Tiere in ihrem natürlichen Habitat zu erleben.

Nach dem Ausflug bezogen wir unser letztes Quartier unserer Reise, eine kleine Holzhütte im Complejo Rural Huerta Grande. Zauberhaft! Ganz anders als zuvor waren wir hier mitten im Wald, es war kühler (ca. 26 bis 30 Grad), grüner und, ach ja, windiger. Leider habe ich die erste Nacht quasi schlaflos verbracht, Nacken sei Dank…

 

Tag 10: Der britische Teil Spaniens

Nach einer ziemlich besch…eidenen Nacht erwachten wir glücklicherweise zu Katzenmiauen. Eine Mutterkatze und ihr Junges hatten über Nacht beschlossen, uns zu adoptieren. Nur: Eine Holzhütte voller Veganer/Vegetarier bietet halt recht wenig für kleine flauschige Fleischfresser. Kurz vor Mittag fuhren wir dann Richtung Gibraltar, dem kleinen, britischen Teil von Spanien. Schon lustig, über die Grenze zu spazieren und plötzlich von Spanisch auf Englisch zu switchen. Was wir als erstes in Gibraltar lernten war, dass es scheinbar keine Bezeichnungen für Bushaltestellen gibt. Was wir als zweites lernten, war so richtig zu schwitzen. Es war ein unglaublich schwüler Tag und das Herumwandern am Felsen von Gibraltar trug natürlich auch dazu bei. Aber egal, wir sind ja hart im Nehmen und sahen uns alles an, was es zu sehen gab – von den Affen, der Tropfsteinhöhle bis zu den Siege Tunnels. Immerhin werden wir sicher nicht mehr so oft nach Gibraltar kommen.

 

Tag 11: Die drei Katzen, die uns zum südlichsten Teil Europas schickten, um Wurst zu kaufen

Am Tag zuvor schon hatten uns abends die Katzen erwartet – diesmal waren sie sogar zu dritt (Mutter und zwei Kätzchen). Da unser Sojamilch ihnen nicht zugesagt hatte, beschlossen wir am 11. Tag, ihnen zum Abschluss Wurst zu kaufen. Nach Tarifa in die Stadt zu fahren war auch insofern eine gute Idee, da ich wieder kaum geschlafen hatte und die Schmerzen in meinem Nacken langsam zur richtigen Qual wurden. Also auf in die südlichste Stadt Europas! Erster Stopp: Der erste Arzt, den wir fanden. Er war Spezialist für Windsurf- und Kitesurf-Unfälle, da Tarifa das Mekka für windliebende Sportler ist (es hat uns fast verblasen…). Er röntge mich, checkte mit osteopathisch ab und fand – nichts, außer dass meine Halswirbelsäule kerzengerade anstatt sanft gekrümmt war und ich komplett verspannt war. Er verschrieb mir richtig fette Schmerzmittel, die mich wie betrunken wirkten ließen (Tom hatte viel Spaß mit mir an diesem Tag) und riet mir zu einer raschen Physiotherapie. Wie dem auch sei: Perfekt ausgestattet konnten wir nun Tarifa erkunden. Ein traumhaftes Städtchen mit vielen maurischen Bauten, süßen kleinen Gässchen, junger Bevölkerung und einem traumhaften Blick nach Marokko.

Am Rückweg kauften wir dann tatsächlich ein Packerl Wurst für „unsere“ Katzen. So schnell hab ich noch keine Katze ein Blatt Wurst verschlingen sehen. Von da an blieben sie in unserer Nähe – die kleinen spielten hinterm Haus, die Mutter beobachtete die Lage von unserem Fußabstreifer aus.

 

Tag 12: Sag zum Abschied leise Adió(s)

Nach einer endlich (!!!) durchgeschlafenen Nacht erwachten wir wieder zum Miauen der andalusischen Katzen, verfütterten ihnen die letzte Wurst und machten uns auf Richtung Flughafen Jerez. Noch einmal durch die grünen Wälder rund um Pelayo, noch einmal durch den Korkeichen-Nationalpark, noch einmal vorbei an riesigen Rinderherden und durch Jerez de la Frontera.

Wir hatten trotz einiger Wehwehchen viel Spaß, haben viel gelernt (z.B., dass es in Südspanien kein „s“ gibt), viel gesehen und viele nette Leute kennen gelernt. Andalusien ist total zu empfehlen und wirklich sehr sehenswert – abseits vom Strandtourismus. Ein Spanisch-Kurs vorab ist allerdings zu empfehlen 🙂