Vier Streunerkatzen und ich

Im letzten Blogbeitrag habe ich ja schon kurz von meinen Versuchen, eine Bande Streunerkatzen zu fangen, berichtet. In dieser Woche ist die ganze Chose dann richtig ernst geworden, eskaliert und dann doch noch gut ausgegangen. Warum ich jetzt erst darüber blogge? Tja, daran sind ebenfalls die lieben Katzen schuld.

Vier Streunerkatzen und ich

Vier Streunerkatzen und ich

Aber von Anfang an: Zu Pfingsten hatte ich erstmals von der Streuner-Katze, die sich mit ihren drei Kätzchen bei einer Nachbarin meiner Oma einquartiert hatte, erfahren. Dann begann der Hausbau nebenan und die Katzen waren erstmals weg. Ich hatte allerdings schon mit Sabrina von der Katzenhilfe Graz Kontakt aufgenommen um für die Kleinen einen Pflegeplatz zu finden und so blieb ich am Ball, bis die Katzen ca. zwei Wochen später wieder auftauchten.

 

Kluge Kätzchen

Leider waren die vier, obwohl von besagter Nachbarin gut gefüttert, nicht besonders zutraulich. Und mit nicht besonders meine ich richtig scheu. Sie spielten zwar in Sichtweite, aber angreifen war nicht drin. Streuner halt – sie kennen Menschen, misstrauen ihnen aber gründlich. Aber die Katzen mussten weg: Sonst würde es in Kürze noch viel mehr ausgemergelte Streuner geben, denn die Mama würde bald wieder werfen und auch die Kleinen würden irgendwann erwachsen werden und damit geschlechtsreif. Also besorgte ich mir erstmals eine manuell auszuösende Falle von der Katzenhilfe um mich an einem Montagmorgen auf die Lauer zu legen.

Der kleine schwarze Racker

Der kleine schwarze Racker

Katzen sind aber nicht blöd. An diesem Montag regnete es und sie waren nicht im Glashaus, sondern irgendwo versteckt, wo der Regen nicht so laut gegen Dach und Wände hämmerte und es trocken und warm war. Also musste ich wohl oder übel wieder abziehen.

 

Nur nicht verzweifeln

Aber aufgegeben wird nur ein Brief und so versuchte ich es weiter. Am Freitag dieser Woche war ich kurz vorm Erfolg: Die Katzen waren in einem Schuppen und ich legte mich, mit Extrawurst bewaffnet, auf die Lauer. Ungefähr vier Stunden harrte ich aus (und ließ mir von der Sonne des Rücken toasten), hörte die Mietzen herumsteigen und husten, aber sie zeigten sich nicht. Nur in einer Ess- und WC-Pause kam eine raus (wahrscheinlich die liebe Mama) und vertilgte meine sorgfältig gelegte Futterstraße, nur um dann mit ihren Kindern abzuhauen.

Um drei ließ ich es dann sein und düste ab. Ich bat die Nachbarin, mich anzurufen, sobald die Katzen im Glashaus waren und dort dann eingesperrt, denn vorher hatte es keinen Zweck, herumzuliegen und sich von den Katzen auslachen zu lassen.

Am darauf folgenden Montag dann in der Früh der Anruf – drei der vier waren im Glashaus! Ich fuhr natürlich sofort raus – der süße Duft der Erfolg war schon fast zu wittern! Und tatsächlich: Mama und zwei der drei Kleinen waren im Glashaus. Das rote und das schwarze Kätzchen hatte ich ziemlich schnell und relativ problemlos am Nackenfell gepackt und in den Transportkäfig verfrachtet. Die Mama sollte als nächstes dran kommen, aber die gute Dame war etwas flinker und schlauer als ihre Kinder und hatte sich so gut in einer Ecke verkrochen, dass wir sie kaum erreichen konnten.

 

Die Eskalation

Die scheue Mutter der drei Kleinen

Die scheue Mutter der drei Kleinen

Und dann – die vermeintliche Krönung! Kätzchen Nummer drei, die kleine Schildpatt, hatte sich draußen an den Transporter mit ihren Geschwisterchen gekuschelt. Wir witterten unsere Chance. Vorsichtig platzierten wir uns und machen uns bereit, das kleine Fellbündel ebenfalls am Nackenfell zu schnappen und einzupacken. Tja. Von da an ging alles schief.

Denn die kleine, so unschuldig drein blickende Katze war überhaupt nicht gewillt, sich von uns haarlosen Riesenaffen in irgendeiner Form anfassen zu lassen. Ich schnappte sie zwar, erwischte sie aber scheinbar schlecht und das Kätzchen fuhr alles aus, was es hatte. Krallen, Beißerchen, alles bohrte sich in meine Hand und unter wütendem Miauen wurde mein Daumen regelrecht zerkaut. Ich ließ nicht los. So nah dem Ziel, wollte ich es nicht verbocken.

Und dann haben wir es doch verbockt. Die Nachbarin hatte den Transporter mit den anderen Mietzen geöffnet, konnte ihn aber nicht mehr schließen. Und so sah ich, mit einer in meine rechte Hand verbissenen Katze zu, wie Roti und Schwarzi sich auf und davon machten. Im Schock schafften wir es dann schließlich doch, die kleine Dame in den Transporter zu bringen. Dann konnte ich mal meine Hand betrachten, wo das Blut tropfte und der Daumen zitterte.

Ich wurde erstmals ins Haus gebracht, die Wunde wurde gewaschen und mit Schnaps ausgespült. Dann setzte mein Kreislauf kurz aus. Verdammter Schock! Und ich ärgerte mich so sehr, dass wir im Getümmel nicht den anderen Käfig für das kleine Biest verwendet hatten. Aber es war nun mal unser erster Katzenfang-Auftrag. Mein Finger wurde indes verbunden und ich beschloss, das Katzenfangen heute zu lassen. Und eine automatische Falle zu besorgen. Und dann mal zu Arzt zu fahren.

 

Tierarzt und Menschenarzt

Meine Finger nach der Aktion

Meine Finger nach der Aktion

Ich schnappte mir, nachdem ich sicher war, dass ich wieder Autofahren konnte, Fräulein Daumen-kau und fuhr mit ihr zum Tierarzt. Abgesehen von ihren Flöhen war sie ein pumperlgesundes Kätzchen – ohne Milben und gut genährt. Soviel mal dazu. Dann fuhr ich zu meiner Hausärztin und holte mir Beta-Isodona, Antibiotikum und eine Tetanus-Spritze ab. Und dann brachte ich die Kleine Lady zu ihrem Pflegeplatz, wo sie sich erstmals vom Schock erholen und dann Vertrauen zu Menschen fassen sollte.

Dann konnte ich mich mal erholen. Mein Finger sah echt nicht schön aus, war ziemlich geschwollen und tat weh. 10-wöchige Katzenwelpen können mit ihren kleinen, spitzen Zähnen ganz schön zubeißen, vor allem, wenn sie Todesangst haben… Das versaute mir dann die restliche Woche: Da es der Daumen der rechten Hand war, war ich im Schreiben, Tippen, Zähneputzen usw. ziemlich eingeschränkt und hatte Schmerzen. Sporteln konnte ich auch nicht, weil das Antibiotikum was dagegen hatte.

 

Hartnäckig bleiben

Der rote Kater

Der rote Kater

Glücklicherweise hatten wir mit der automatischen Lebendfalle mehr Glück. Die Katzen ließen sich zwar am Montag nicht mehr blicken, am Dienstag schnappte die Falle zu Mittag dann zu und am Abend konnten wir den kleinen schwarzen Kater zu Pflegestelle bringen. Am Mittwoch waren dann die Schildpatt-Mama und der kleine rote Kater in der Falle. Mama wurde kastriert und – aufgrund ihrer Schüchternheit sicherlich die beste Lösung – wieder freigelassen. Der kleine rote Herr kam als letzter der Runde dann zum Pflegeplatz, wo er schon sehnlichst erwartet wurde. Damit hatten wir – trotz Anfangsschwierigkeiten, frustrierenden Misserfolgen und einem zerkauten Daumen – dann doch geschafft, was wir erreichen wollten.

Und nach ein paar Tagen auf der Pflegestelle erhielt ich schon die wunderbaren Nachrichten: Der kleine rote Kater saß schon am Schoßi und auch Fräulein Daumen-kau war bald zugänglicher. Ich schaue mir die Fotos und die Entwicklung der Kleinen auf Facebook, auf der Seite der Katzenhilfe Graz, an – denn wahrscheinlich ist es besser, wenn mich die Kleinen nicht mehr sehen und sich dann unter Umständen wieder schrecken 😉 So wie es aussieht, werden aus ihnen nochmals richtig liebe Schmusekätzchen.

 

Katzen suchen Dosenöffner

Zelda und Leia - unsere beiden

Zelda und Leia – unsere beiden

Uuuuuuund hier noch die obligatorische Werbeeinschaltung. Wenn ihr auf der Suche nach Katzen seid, bitte schaut ins Tierheim und zu den Vereinen und Privatleuten, die Katzen aus schlechten Verhältnissen, ungewollten Würfen oder Streunerpopulationen holen, aufpeppeln und vermitteln. Unsere zwei Prinzessinnen Zelda und Leia sind ebenfalls von der Katzenhilfe Graz und trotz anfänglicher Schüchternheit sind sie die knuffigsten Katzen, die es gibt. Wir haben sie uns nicht ausgesucht, sie haben uns ausgewählt – denn beim ersten Kennenlernen kamen sie auf uns zu.

So hoffe ich auch, dass die Kleinen von meiner Katzenfangaktion super Plätze bei lieben Menschen bekommen.