Tribal Convention 2014: Koop- statt Konkurrenzmodus

Gestern fand die vierte österreichische Tribal Convention statt – diesmal in Graz, organisiert von meiner Tanzgruppe Die Feuerfedern. Deswegen der Post auch dieses Mal wieder spät: Nachdem ich gestern nach einem hart durcharbeiteten Tag und Abend erst um 3 im Bett und um 5 schon wieder munter war, war dieser Tag geprägt von Couch. Und Fernsehen. Und Katzen kuscheln… Aber naja, weiter im Text: Bei der jährlichen Tribal Convention trifft sich die „Szene“ der österreichischen Tribal- und Tribal-Fusion-Tänzerinnen und -Tänzer um gemeinsam zu reden, zu tanzen und viel Spaß zu haben. Das Schöne dabei: Jedes Jahr findet die Convention an einem anderen Ort in Österreich statt. Letztes Jahr waren wir in Linz, das Jahr davor in Wien.

 

Tribal Convention: Kooperation statt Wettkampf

Tribal Convention: Kooperation statt Wettkampf

Und warum ist das jetzt einen Blogbeitrag wert? Dazu muss ich ein bisschen ausholen.

Ich war bis jetzt schon auf einigen Barcamps und der kooperative Grundgedanke bei diesen Veranstaltungen schafft eine fantastische Atmosphäre. Es geht nicht um Visitenkartenaustausch oder Networking sondern um das gegenseitige Helfen (da gab’s Anfang des Jahres hier einen netten Blogbeitrag) – auch mal ohne direkt ein Geschäft machen zu wollen. Ich habe mir seit meinen ersten Barcamp-Besuchen schon gedacht, dass ein solches Format auch für die Tanzszene toll wäre. Miteinander statt gegeneinander, von einander lernen statt verstohlen abschauen oder gar kopieren, offene Gespräche statt irgendwelche Flüstereien im Hintergrund. Leider gibt es diesen teils echt extremen Konkurrenzgedanken und Zickenkriege doch immer wieder. Dabei könnte man doch so viel gewinnen durch Zusammenarbeit!

Die Idee eines TanzCamps schwirrt mir also schon länger im Kopf herum. Bei der vorletzten Convention in Wien habe ich dieses Thema dann auch angesprochen und meine Idee vorgeschlagen – damals noch mit wenig positivem Feedback. Die Leute haben mich eher verwirrt angeschaut und zu meiner Idee geschwiegen 😉

Aber ich muss sagen, dass wir mit der Tribal Convention in den letzten Jahren schon so etwas wie ein BarCamp „Light“ etabliert haben. Ja, die Workshops sind immer noch kostenpflichtig – aber diese sind (bis jetzt) immer noch „Frontalunterricht“, bei dem die Dozentinnen vortragen und die Teilnehmerinnen nachmachen und es wenig Input von deren Reihen gibt. Doch die Diskussionen danach, der Austausch, das Helfen mit Kostümen, Musik, Bewegungen etc. und das Zeigen, wie man sich im vergangenen Jahr weiterentwickelt hat sind sehr „barcampig“. Es keimt das zarte Barcamp-Pflänzchen auch in der Tribal-Szene in Österreich, möchte ich fast behaupten. Es sind sogar, und darauf freue ich mich besonders, mit einigen Leuten Ideen für wunderbare Kooperation über die Bundesländergrenzen hinweg entstanden, wo es wirklich darum geht, von einander zu lernen, ohne die Inhalte in kostenpflichtige Workshops zu verpacken.

 

Gutmenschlicher Kuschelkurs oder sinnvoller Kooperationsmodus?

Nun hoffe ich, dass ihr mich nicht falsch versteht: Ich finde Workshop gut und wichtig und will sie auf gar keinen Fall wegdenken müssen! Aber eher kooperativer als kompetitiver Ansatz tut der Szene glaube ich ganz gut. Ich glaube, das hebt das Niveau und damit das Ansehen des orientalischen Tanzes und von Tribal Style. Wenn ich an die Convention gestern denke, sieht man schon jetzt, wie sehr sich das Niveau der Tänzerinnen und Tänzer von Jahr zu Jahr steigert – angefangen von den Tänzen an sich über die Kostüme bis hin zum Außenauftritt. Insofern sehe ich diese eher kooperative Veranstaltung als großen Gewinn. Und vielleicht täusche ich mich in meiner Wahrnehmung, aber mir kommt vor, dass solche Veranstaltungen auch über Xing mit diversen Frühstücken und After-Work-Treffs auch abseits von der Tanzszene ganz gut ankommen.

Und wie der Autor des oben verlinkten Blogbeitrags schreibt: Sich gegenseitig zu helfen ist viel sinnvoller und bleibt eher im Gedächtnis als eine Visitenkarte begleitet von der Vorstellung der eigenen Leistungen. Das hat also nichts mit Gutmenschentum zu tun sondern ist eigentlich eine elegantere, nettere, schönere und für alle Beteiligten nützlichere Variante der Selbstvermarktung 😉