So much to do, so little time. Nehmen wir uns zu viel vor?

Letzte Woche hat Monika über die Barcamp-Kultur – einst und jetzt geschrieben. Sie schreibt, wie sich die Barcamp-Besucher – tendenziell – immer öfter für eintägige Besuche oder ein kurzes Vorbeischauen entscheiden und damit sowas wie ein Barcamp-Tourismus ensteht (finde den Begriff super). Die Gründe? Ich zitiere Monika:

“Muss jetzt noch einkaufen, geh dann zu nem Freund und schau am Nachmittag mal am Barcamp vorbei” oder “Die Sonne hat gesiegt! Bin am Strand! Wünsche allen Barcamp-Teilnehmern einen tollen Tag!”

Oh, das kann ich gut nachvollziehen. Ich bin, fürchte ich, auch zu so einem Barcamp-Touristen geworden, weil einfach so viel zu tun ist, gerade an den kostbaren Wochenenden. Traurigerweise – denn eigentlich sind Barcamp was richtig, richtig Tolles: Man trifft total nette, gescheite und diskussionsfreudige Menschen, mit denen man super Diskussionen führen und geniale Dinge schaffen kann (ich denke da auch an das CreateCamp Klagenfurt 2011 – super Sache!). Wenn man sich denn auch voll und ganz darauf einlässt.

Doch weil es eben so viele Möglichkeiten gibt, die uns heutzutage offen stehen, haben wir für einzelne Dinge kaum oder keine Zeit. Einkaufen, mit Freunden was trinken gehen, Barcamp. Vielleicht auch noch aufräumen und zwei Folgen der Lieblingsserie im Fernsehen anschauen. Ist das nicht für einen Tag ziemlich viel?

 

Wir haben verlernt zu verzichten

Ich mache derzeit eine Ausbildung zur Wirbelsäulen- und Beckenbodentrainerin am WIFI und im Grundlehrgang haben wir genau diese Frage auch behandelt: Wir stehen einem so großen Angebot an Freizeitaktivitäten gegenüber, dass wir aus Angst, etwas zu verpassen, möglichst viele Aktivitäten in unsere Freizeit stopfen. Ich bin da keine Ausnahme (eher im Gegenteil…): Ich habe mein Tanzkurse, will aber auch ins Fitnessstudio gehen, gleichzeitig auch joggen, weil ich ja den Halbmarathon dieses Jahr schaffen möchte, habe noch meine WIFI-Ausbildung, will bloggen, Pen&Paper-Rollenspiele spielen, die Katzen beschmusen, die Ratten bespaßen, die Familie besuchen, Freunde treffen, gesund kochen, neue Backrezepte ausprobieren, irgendwann noch mit meinem Verlobten Zeit verbringen…

Issis Kalender

So sah mein Kalender letzte Woche aus. Meine beruflichen Termine sind da noch nicht drin.

Es fällt mir – und ich bin damit sicher nicht die einzige – schwer, mich auf eine Sache in meiner Freizeit zu konzentrieren und auf andere Aktivitäten zu verzichten. Still sitzen, auch wenn es so wichtig wäre, kann ich ganz selten. Ganz besonders schlimm ist es, wenn ich beginne mehrere Dinge gleichzeitig zu machen. Gleichzeitig fernsehen und online sein, zum Beispiel. Oder gleichzeitig kochen und nebenbei zu telefonieren. Ich habe irgendwann verlernt, auf Monotasking zu bauen und zu verzichten.

Und ich wage zu behaupten, dass es mehreren Menschen so geht: Den Ausdruck „Freizeitstress“ belächle ich gerne, weil ich doch die Dinge, die ich in meiner Freizeit mache, gerne mache (übrigens gab’s dazu letzten Dezember eine nette Untersuchung vom ITF). Aber sie stressen mich irgendwie trotzdem. So much to do, so little time.

 

Weniger ist mehr

Wie gesagt, ich bin das Paradebeispiel für „so much to do, so little time“, habe aber dank dezenten (und nicht ganz so dezenten) Hinweisen von verschiedenen Seiten viel darüber nachgedacht und auch schon einige Tipps aus Foren, aus der Ausbildung usw. ausprobiert. Mein Lieblingstipp: Nimm dir eine Woche lang vor, auf etwas zu verzichten. Das kann vieles sein: Bei mir war es zum Beispiel während des Essens den Fernseher einzuschalten. Oder gleichzeitig Fernseher und PC laufen zu lassen.

Für mich ist auch die Fastenzeit immer ein guter Rahmen, um zu verzichten – wenn schon nicht aus religiösen Motiven, dann aus „selbstreinigenden“ Motiven. Dieses Jahr werde ich in der Fastenzeit nicht nur auf Süßes und glutenhaltige Lebensmittel verzichten, sondern auch das Fernsehfasten – nach der Arbeit – probieren. Ob das gelingt? Es wird spannend. Wenn es zumindest eine oder zwei Wochen lang klappt, bin ich zufrieden.

 

Wo sind die Dauermultitasker?

Es würde mich interessieren, wie es bei euch aussieht: Seid ihr, wie ich, auch Dauermultitasker? Oder habt ihr ein Gegenprogramm zum Freizeitstress? Lasst es mich wissen, ich muss noch viel lernen und ausprobieren, um mich selbst ein wenig von diesem Zustand zu heilen 😉