Ein Jahr vegan – was ich gelernt habe

Am 13. Februar 2013 hatte ich einen, wie man so schön sagt, plötzlichen Rappel. Pünktlich zum Beginn der Fastenzeit, in der ich traditionell auf etwas verzichte, überkam mich das Bedürfnis, die vegane Ernährung auszuprobieren. In erster Linie aus Neugier: Wie würde das funktionieren, wo doch der Softwarebär weiterhin Fleisch essen wollte? Wie würde es also nicht nur mir, sondern auch ihm schmecken? Wie würde es meinen Körper beeinflussen?

Gleichzeitig beschloss ich, auch auf glutenhaltige Lebensmittel zu verzichten. Warum? Keine Ahnung. Wie gesagt: Der Rappel war’s.

 

Frei nach Nike: Just do it

Im Nachhinein haben mich viele Leute gefragt: Und wie hast du das mit der Umstellung gemacht? Langsam Fleischgerichte ersetzt? Vielleicht nach einem der Vegan-Starterkits vorgegangen? Nein: Von einem Tag auf den anderen habe ich gewechselt, so wie mich eben der erwähnte Rappel erwischt hat. Und das war gut so, das gab mir keine Ausreden, vielleicht doch noch ein Joghurt oder eine Wurstsemmel zu essen – und mein Körper hat auch in keinster Weise „schlecht“ reagiert. Es ging mir vom ersten Tag weg super!

 

Pumperlgsund und voller Energie

Vegane Pasta

Pasta mit Radieschengrün-Pesto und Bratradieschen – vom eigenen Balkongärtchen!

Zugegeben: Online nach den Auswirkungen veganer Ernährung zu suchen bringt alles von ZOMGgarnichtgut bis hin zu ZOMGewigerJungbrunnen und ist nicht besonders hilfreich, um Abschätzungen zu machen oder Entscheidungen treffen. Deswegen: einfach ausprobieren! Ich hatte vorher schon vegetarische Ernährung und Low Carb ausprobiert. Beides war eher meh und für mich persönlich unbefriedigend. Vegan – und für mich hieß das vor allem kiloweise Gemüse und Obst – zu essen war aus jetziger Sicht die beste Entscheidung: Ich habe optimale Blutwerte, ca. 10 kg abgenommen*, meine Haare sind gesünder**, meine Verdauung ist wunderbar und das Essen befriedigt mich – auch emotional. Vegane Cupcakes vom Ginko und die Nuss-Nougat-Herzen von Waldherr sind geniales Soulfood 😉

 

Es muss nicht immer Tofu/Seitan sein

Einige meiner Bekannten glauben, dass Veganer Tofu nur so in sich reinstopfen. Ich habe probiert, mit Tofu kochen und Tofu auch in Lokalen gekostet – aber irgendwie ist es scheinbar echt schwierig, Tofu gut zuzubereiten. Mir schmeckt Tofu selten – und wenn, dann in Form von stark geräuchertem Tofu. Auch Seitan sagt mir nicht wirklich zu. Glücklicherweise gibt es viele, weniger stark verarbeitete Alternative: Polenta, Linsen, Bohnen oder einfach Gemüse. Wir haben das große Glück, in Österreich das ganze Jahr über eine faszinierende Auswahl an Gemüsesorten zu haben – da sind Tofu oder Seitan gar nicht nötig!

 

Und dann sind auf einmal alle Leute Ernährungsspezialisten

Spannenderweise mutieren viele Menschen im Umfeld von Veganern plötzlich zu Ernährungsspezialisten. Woher kriegst du dein Protein? Aber die Vitamine? Und das Eisen? Besonders heftig wird es dann, wenn man krank ist. Ich habe im letzten Herbst eine Lungenentzündung erwischt – nicht lebensbedrohlich, aber unangenehm und langwierig. Da ich nicht die einzige Person in meinem Umfeld mit Lungenentzündung war, wage ich mal zu behaupten, dass der Grund dafür nicht in der Ernährung, sondern eher in den Bakterien/Viren in der Lunge gelegen haben muss. Das hielt allerdings manche Verwandte nicht davon ab, mich anzurufen und mich inständig zu bitten, ich solle doch wenigstens einmal pro Woche Fleisch essen…

 

Unterstützung ist Goldes Wert

Foren, Blogs, persönliches Treffen mit anderen Veganern ist das beste für frischgebackene Veganer: Man kann Rezepte, Tipps zu Lokalen, Shops usw. austauschen und sich über die Intoleranz und lustigen Reaktionen des Umfelds auslassen. Oder einfach mal eine vegane Pizza-Orgie veranstalten. Mittlerweile kenne ich einige Veganer in Graz – es gibt sogar einen Veggie-Stammtisch!

 

Mein Fazit

Vegan sein ist mein Ding. Ich komme damit gut zurecht, es schmeckt mir, ich bekomme alle Nährstoffe, die ich brauche und ich habe das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Andere Leute zum Veganismus zu überreden ist mit hingegen überhaupt kein Anliegen und funktioniert meiner Meinung nach auch nicht. Stattdessen überzeuge ich subtil durch vegane Muffins und Cupcakes und rege bei Interesse zu veganen Testtagen an 😉 Nein, im Ernst. Sich vegan zu ernähren ist nicht das ultimative Allheilmittel für den Weltfrieden zwischen Mensch und Umwelt. Auch bei der Produktion rein pflanzlicher Ernährung haben bestimmte Lebewesen das Nachsehen.

Ob vegan, vegetarisch oder omnivor: Man muss sich als Individuum entscheiden, welchen Weg man einschlägt – und sich dann auch der Konsequenzen bewusst sein.

 

* Auf meinem Gesundheitstripp habe ich auch verstärkt Sport gemacht – das muss auch gesagt werden!

** Ich färbe auch seit einem Jahr mit Henna statt mit chemischen Farben – trägt auch dazu bei.