Blut, Eiter und Tränen – und die Grazer Zahnklinik

Zähne

Wenn doch nur alle Zähne so normal stehen würden.

Dieser Post vereint meine Erfahrungen mit meiner Weisheitszahn-Extraktion mit einer kleinen Liebes- und Dankesbekundung an die Zahnklinik Graz. Das Ganze ist etwas ausgeartet, muss ich gestehen, aber es war für mich sowas wie Therapie, meine Erfahrungen nieder zu schreiben. Wenn ich schon nicht ordentlich reden kann, weil mein Kiefer noch spinnt, dann muss ich wenigstens schreiben!

 

Die Vorgeschichte

Als ich Dienstag Nacht um 1:27 Uhr mit fiesen Zahnschmerzen erwachte, hatte ich noch keine Ahnung, was mich in den kommenden Stunden und Tagen erwarten würde. Ich hatte am Donnerstag, den 13. Februar, eine Weisheitszahn-OP hinter mich gebracht, die, trotz Fräsen und einigem Herumgewerke meines Zahnarztes, gut verlaufen war. Der Weisheiszahn in meiner rechten Oberkiefer war somit Geschichte. Vom Ziehen der Schwellung und Schmerzen war ich seither jede Nacht kurz aufgewacht, hatte mich geärgert, die Polster aufgeschüttelt und weiter geschlafen.

Nun war besagte Nacht von Montag auf Dienstag aber anders. Ich hatte mir 3 Voltaren eingeschossen, doch es half nicht. Ich bin auf die Couch umgezogen, um aufrecht sitzend vielleicht Schlaf zu finden, aber es half nicht. Um ca. 3 Uhr schaute ich in den Spiegel: Meine rechte Gesichtshälfte sah, nachdem sich die Schwellung von Donnerstag eigentlich wieder halbwegs zurückgebildet hatte, plötzlich so aus, als hätte ich mir einen 3-kg-Laib Brot reingestopft (wie ein Hamster). Meine Auge war von unten schon leicht zugedrückt und mein Gehörgang etwas zugeschwollen. Schlucken war anstrengend. Und dann begann ich auch noch Blut und Eiter zu spucken.

 

Hausarzt, Zahnarzt, Krankenhaus

Mein Zahnarzt, der in dieser Woche seinen wohlverdienten Urlaub genoss, hatte mir seine Handynummer gegeben – falls irgendwas sein sollte, solle ich mich bei ihm melden, hatte er mir nach der OP gesagt. Nachdem ich aber um 6 Uhr früh noch nicht anrufen wollte, fuhr ich erstmals zur Hausärztin. Diese hatte am eigenen Leib schon erfahren, wie blöd so eine Weisheitszahn-OP verlaufen kann, verschrieb mir gleich mal Antibiotikum und empfahl mir dringend, zur Zahnklinik zu gehen.

Aber zuerst den Zahnarzt anrufen. Vielleicht hatte er eine Vertretung, die er empfehlen konnte. Oder erste Tipps gegen die Schmerzen, die Schwellung, meine Psyche, die nach Schlaflosigkeit, null Essen und Schmerzen etwas mitgenommen war. Oder vielleicht war das sogar normal? Ich hatte ja keine Ahnung, das war ja meine erste Weisheitszahn-OP gewesen.

Doch er war nicht zu erreichen, auch nach mehreren Anrufen nicht. Ich schickte ihm eine SMS und bat um Rückruf. Ich wartete bis Mittag ohne etwas von ihm zu hören (und ich habe bis jetzt nichts von ihm gehört). Dann musste ich was tun. Mit Geleitschutz vom Softwarebaer flitzten wir ins Grazer LKH, zur Zahnklinik.

 

Blut, Eiter und Tränen

Ich muss gestehen, dass ich immer mit etwas gemischten Gefühlen ins Krankenhaus gehe. Ich kann nicht mal wirklich begründen, warum – ich denke bei Krankenhaus immer an böse Notfälle, überarbeitete Ärzte, gestresste Pfleger, lange Wartezeiten und dann auch die Massenabfertigung mit unsanften Behandlungen, wie ich sie im UKH schon erlebt habe. Aber was soll man tun – eine Vertretung meines Zahnarztes kannte ich nicht und es war wirklich, wirklich dringend.

Glücklicherweise muss ich in dem Moment, als ich bei der Anmeldung in der Zahnklinik stand, wie ein Häufchen Elend ausgeschaut haben. Ich kam sofort dran und wurde, zitternd und voller böser Vorahnung, auf einen der vier Behandlungssessel gebeten. Was dann folgte, war erst mal die Feststellung des Arztes „Ah ja, alles unter Eiter“ und schließlich eine echt verdammt schmerzhafte Behandlung. Lokalanästhesie funktioniert nämlich offenbar nicht, wenn das Gewebe eitrig-entzündet ist. Es wurde alles gespült, zwei Schnitte gemacht und in diese Streifen eingelegt, die die Wunde offen hielten und so das ganze Zeug abfließen konnte und ich bekam ordentlich Schmerzmittel und Antibiotikum verschrieben. Und ich wurde zum Spülen und Wechseln der Streifen bestellt. Jeden Tag. Bis zum Ende der Woche.

Eine Assistentin gab mir einen Eisbeutel und ich war fertig. Als ich aus dem Behandlungszimmer kam, brach ich in Tränen aus und heulte erstmals, bis wir beim Auto waren. Das war wohl der Schock, die Schmerzen, die Schlaflosigkeit, das wenige Essen der Tage davor – und ich war unglaublich froh, dass ich jemanden als Stütze dabei hatte.

 

Mein tägliches Date mit der Zahnklinik

Der restliche Dienstag war ein zombiemäßiges Dahingedämmere. Ich war müde, konnte aber nicht schlafen, hungrig, konnte aber nichts essen und heulerig. Hätte ich mir Bambi angeschaut, ich wäre vor lauter Heulen zerronnen. Am nächsten Tag erwachte ich schon mal mit Bauchweh. Würde es heute so schlimm wie am Tag davor werden? Wäre überhaupt der gleiche Arzt da? Würden die wissen, was mit mir los war und was zu tun war?

Dann die freudige Überraschung: Der gleiche Arzt, die gleichen Schwestern, Erinnerung an meine Backe (gut, das war wohl nicht so schwer), einfühlsame Behandlung, der obligatorische Eisbeutel und nach einer halben Stunde war ich wieder aus der Klinik draußen. Am Tag darauf hatte ich zwar eine andere Ärztin, doch auch diese war sehr freundlich, sehr einfühlsam und verständnisvoll ob meiner Zuckungen am Behandlungssessel. Sie entschuldigte sich auch einige Mal dafür, dass sie mich so traktieren musste – aber es war nötig.

Heute war mein letzter Termin: Die Backe ist wieder auf fast-Normalgröße zurückgekehrt, es ist so gut wie alles abgeflossen, was nicht in meinen Kiefer gehört und die Schmerzen sind so gut wie weg. Nur das Kauen, das Beißen und das Mund-Aufmachen muss ich üben – das geht im Moment noch nicht wirklich und dementsprechend klingt es im Moment auch sehr… seltsam, wenn ich rede.

 

Fazit

Manchmal kommt es anders als man denkt. Ich hatte immer gedacht, ich hätte eine anständige Wundheilung – aber bei mir halfen das ganze Arnika-Globuli-Zeug und die Zinktabletten nichts. Sollte es zukünftig weitere Weisheitszahn-Extraktionen geben, lasse ich mir vorsichtshalber gleich ein Antibiotikum verschreiben, denn diesen ganzen Scheiß brauch ich kein zweites Mal.

Dass mein Zahnarzt nicht erreichbar war und sich nicht rückgemeldet hat, war für mich fast enttäuschend. Ich habe mich in dem Moment sehr elend und alleine gelassen gefühlt. Ich weiß jetzt aber auch, wohin ich mich vertrauensvoll wenden kann (es gibt zum Glück die Notrufnummer der Zahnklinik). Von der Zahnklinik am Grazer LKH bin ich wirklich begeistert. Ich hätte eine so schnelle und einfühlsame Behandlung nicht erwartet und auch nicht, dass die Ärztinnen und Ärzte mich von „Oh Gott, mein Kiefer explodiert“ innerhalb von vier Tagen auf „ich kann schon fast wieder Tofu zuzeln“ bringen.

Deswegen sage ich an dieser Stelle „Danke“ an die drei behandelnden Ärzte, die mich wieder hergerichtet haben. Und empfehle die Zahnklinik wärmstens weiter!