5 Tipps aus dem Tanzsaal fürs tägliche Leben

Fusion: auch so ein Experiment. Foto: André Elbing

Fusion: auch so ein Experiment. Foto: André Elbing

Neben meinem „daytime job“ habe ich noch meinen „evening“ und „nighttime job“ als Tänzerin und Tanzlehrerin. In Letzteres bin ich irgendwie reingeschlittert: Gerade noch für den Maturaball die Mitternachtseinlage geprobt und schwupps, schon war ich Lehrerin und wurde als Tänzerin engagiert. Dabei gab es viel zu lernen – teils auf die harte Tour, teils mit sehr viel Lachen. Diese fünf elementaren Learnings aus dem Tanzsaal und von der Bühne habe ich für meinen „daytime job“ mitgenommen:

1. Check, re-check und double-check oder aller guten Dinge sind drei.
Eine „no na ned“-Aussage, aber manchmal muss man es auf die harte Tour lernen, bei besonders wichtigen Dingen genau zu sein. Ich hatte einmal einen Auftritt in einem Restaurant und schwebte über die Treppe hinab auf meine Bühne. Romantisches Schleierintro. Souverän leitete ich dann ins flotte Musikstück und kabuff: BH springt auf. Seitdem sichere ich meine Kostüme mit mindestens drei Sicherheitsnadeln ab. Wenn ich im Kurs etwas erkläre, mache ich das meist auf drei Arten um sicher zu gehen, dass es jeder versteht (durch Vorzeigen, technisches Erklären anhand der Muskeln und Metaphern). Im Büro wird alles drei mal durchgelesen (mit Pause dazwischen) und bei wichtigen Mails lasse ich gerne mindestens zwei andere Leute drüber lesen.

2. Sag dir selbst, dass du es schaffst.
Diese Erkenntnis mag fast schon esoterrisch klingen, hat meine Art zu tanzen und zu unterrichten aber ziemlich verändert. Mein Dank geht an dieser Stelle an Katrin Hammerschmidt, die uns dazu in einem total spannenden Workshop super gecoacht hat. Wenn ihr also vor einem großen Auftritt steht – egal, welcher Art – sprecht zu euch und sagt euch so lange „ich schaffe das, ich kann das, ich bin gut, ich werde die Bude rocken“ bis ihr es glaubt. Lächelt. Es baut unheimlich auf, selbst wenn man nach 8 Stunden Büro und 4 Stunden Tanzunterricht noch vor ein Publikum treten muss mit einem Lächeln als wäre man der strahlende Traum aus 1001 Nacht.

3. Übe nicht das, was du schon kannst – übe das, was du nicht kannst.
Ich geb’s zu: Ich stehe gerne vorm Spiegel und übe Dinge, die ich gut kann. Es tut gut, sich selbst zu sehen und sagen zu können: „Jawollja, ich hab dieses Zeug voll drauf!“ Muss auch mal sein. Trotzdem: Lenkt eure Aufmerksamkeit auf eure Schwachstellen – nicht, um darüber zu raunzen, sondern um besser zu werden. Trainiert, bis ihr eure Schwachstellen überwunden habt. Und dann sucht die nächste Schwachstelle.

4. Experimentiere ohne Scham und Angst.
Experimente können geniale Dinge hervorbringen, können aber auch schief gehen. Aber: Wer Angst vor Fehlschlägen hat und deshalb auf Experimente verzichtet, wird nie ein neues Level erreichen. Ich habe im Unterricht schon vieles probiert… Und vieles wieder verworfen. Zum gestrigen Kursstart gab es ein neues Warm-Up, an dem ich seit Anfang des Jahres arbeite und, ganz ehrlich, das Abwenden vom Altbekannten ist Aufwand und Anstrengung. Experimentiert mit allem: In der Küche, in der Beziehung, bei eurer Art zu gehen, bei eurer Art zu arbeiten. Traut euch, für den Kundenkontakt mal was ganz Neues zu wagen. Falls ein Fehler passiert, geht offen damit um. Jeder Mensch macht Fehler – was uns unterscheidet, ist wie wir damit umgehen.

5. FILGIAG – fuck it, let’s give it a go oder schöpfe Kraft aus Panik.
Manchmal muss man einfach die Pobacken zusammenkneifen und etwas einfach tun. Ich habe beispielsweise mal an einer Europameisterschaft im Tanz mitgemacht, obwohl ich kaum Zeit zum Vorbereiten hatte. Da lautet die Devise: Kraft aus Panik schöpfen. Anstatt zu erstarren oder davon zu laufen nehmt das Adrenalin und nutzt es für euch. Wie das geht? Geht einen Schritt vorwärts. Ernsthaft. Bewegt euch nach vorne, dorthin, wo die Quelle der Panik lauert. Richtet euch auf und steht gerade. Atmet ruhig und tief. Wendet Punkt 2 an. Und stürzt euch ins Abenteuer.